Donnerstag, 15. Februar 2018

Finger weg von Leinölfirnis und Klarlack!

Diesen Delahaye haben wir 2016 auf der Rétromobile gesichtet. Sein Besitzer meinte es gut – und zerstörte die originalen Oberflächen mit Leinölfirnis.
Sowohl auf unserer Facebook-Seite als auch per E-Mail werden wir oft nach der optimalen Konservierungsmethode gefragt. Unsere Antwort ist immer dieselbe: "Es kommt darauf an!"

Jeder Fall liegt anders, jedes Fahrzeug muss individuell analysiert und entsprechend der Ergebnisse bearbeitet werden. Das kann so weit gehen, dass für jede Komponente eine eigene Entscheidung über die Bearbeitung getroffen werden muss.

Wenn aber die Frage aufkommt, mit welchem Produkt eine original erhaltene, patinierte Oberfläche konserviert werden sollte, können wir schon konkreter werden. Denn hier gibt es eine einfache Grundregel: Alles, was aufgetragen wird, muss reversibel sein.

Das bedeutet: Es muss sich wieder entfernen lassen, ohne die originale Substanz zu schädigen!

Zwei Dinge sind deshalb DES TEUFELS, absolut unbrauchbar und ultimativ böse: LEINÖLFIRNIS und KLARLACK.


Jaguar E-Type S1 Roadster 4.2 litre 1967
Jaguar E-Type auf der Techno-Classica 2014. Der Wagen trägt Flugrost, glänzt aber speckschwartig – ein Indiz dafür, dass Leinölfirnis zum Einsatz kam.

Leinölfirnis wird gerne von Schreinern zur Behandlung von Möbeloberflächen verwendet, hat aber auf technischen Kulturgütern so gut wie nichts verloren. Zunächst mal trocknet das Zeug schlecht, wird nicht griffest, und zieht Staub und Dreck an – also genau das, was nach einer Reinigung vermieden und durch eine Konservierung verhindert werden soll. Darüber hinaus verbindet Leinölfirnis sich untrennbar mit der Oberfläche und erzeugt auch noch einen unnatürlichen, verfälschenden, speckigen Glanz.

Nahaufnahme eines mit Leinölfirnis behandelten Schutzblechs. Die Oberfläche wirkt geradezu "nass".

Klarlack steht in der Achse des Bösen gleich dahinter. Denn während er ebenfalls irreversibel ist und somit die Oberfläche zerstört, hat er auch noch die unangenehme Eigenschaft, über die Jahre gelbstichig zu werden. Und mit dem Korrosionsschutz ist es auch nicht weit her, da er diffusionsoffen ist und ein Unterrosten damit sogar begünstigt wird. Klarlack findet vor allem bei "Ratten" Verwendung – einer Spielart des Tuning resp. Customizing, bei der es nicht um Kulturgutpflege geht. Beispiele: Hier und hier.

Nun ist die Lage natürlich nicht völlig hoffnungslos. Wer anerkennt, dass ein patiniertes Fahrzeug kein Alltagsrutscher sein kann, sondern trocken geparkt werden will und stets besonderer Pflege bedarf, liegt schon mal völlig richtig. Nach gründlicher Reinigung die Roststellen mit Owatrol, und den Rest mit einem hochwertigen Korrosionsschutzwachs zu konservieren, hat sich in vielen Fällen bewährt. Doch während immer der Einzelfall gilt, ist eines in jedem Fall richtig: Dass Leinölfirnis oder Klarlack nicht auf patinierte Oberflächen gehören!